Kultur

Die Medien

Pakistan belegt im Press Freedom Index 2020 von Reporters without Borders den Platz 145 von insgesamt 180. Im Jahr 2017 verschwanden mehrere liberal gesinnte Blogger. Journalisten und Internetpublizisten fühlen sich kontrolliert und teilweise bedroht. Auch wenn die Pressefreiheit ständig gefährdet ist, hat Pakistan eine gut entwickelte liberalisierte Medienlandschaft, die sich in der letzten Dekade quantitativ sowie qualitativ rasant entwickelt hat (z.B. aus drei staatlich kontrollierten TV-Sendern in 2002 wurden es 89 TV-Sender in 2012). Die in 2002 unter Musharraf gegründete «Pakistan Electronic Media Regulatory Authority» (PEMRA) ist die Regulierungsbehörde für die privaten Medienanstalten.

Für Besucher des Landes sind die Medien die beste Quelle, um sich über die politischen Ereignisse, Strömungen und Diskussionen zu informieren sowie eine sensible Innenansicht zu bekommen.

Der technologische Fortschritt in den Bereichen Internet, einschließlich social media, und Mobilfunk zeigt einen stetig steigenden Trend mit derzeit ca. 20 Millionen InternetnutzerInnen und ca. 115 Millionen MobilfunknutzerInnen.

Diese und weitere ausführliche Informationen und Analysen finden Sie in dem Asien Medienbarometer für Pakistan der Friedrich-Ebert Stiftung.

Das Informationsrecht

Eine weitere positive Entwicklung ist die Einbeziehung des Artikels 19A zum Informationsrecht, «Right to Information» im Zuge der 18. Verfassungsänderung. Im gleichen Atemzug wird dieses Recht allerdings eingeschränkt, in dem die Medienfreiheit Einschränkungen unterliege, wenn sie u.a. die «Herrlichkeit des Islams» oder die «Integrität und Sicherheit Pakistans» (eigene Übersetzung) gefährde. Zuletzt in 2010 wurden Facebook und YouTube aufgrund der Kritik zum pakistanischen Militär temporär verboten.

Sicherheit von JournalistInnen

Trotz der relativ guten Medienfreiheit, arbeiten pakistanische JournalistInnen in einem höchst unsicheren Umfeld. JournalistInnen oft gezwungen, sich eine Selbstzensur bzgl. hoch sensibler Themen, wie z.B. religiöse Minderheiten oder das umstrittene Blasphemiegesetz, aufzuerlegen.

Medienformate in Pakistan

Print-und Onlinetageszeitungen

Besonders die folgenden englischsprachigen Zeitungen haben journalistisch und in ihrer Aufmachung internationales Niveau, sie stehen mit ihren Vollausgaben täglich im Internet:

Dawn aus Karachi – die national und international angesehenste Zeitung wurde noch vom Staatsgründer Jinnah ins Leben gerufen und erhielt vor Jahren eine internationale Auszeichnung für die weltweit beste Web-Version einer Tageszeitung.

The News International aus Lahore und Islamabad – ebenfalls eine sehr renommierte Tageszeitung

The Nation aus Lahore – die besonders in ihren Leitartikeln und Kommentaren gerne die Obrigkeit kritisiert

Frontier Post aus Peshawar – vertritt eine unabhängige und oft unbequeme Meinung, mit der sie sich weder bei der Staatsgewalt, noch bei Vertretern der Geistlichkeit Freunde macht, und

die sie daher mit häufigen Zwangsschließungen und Verhaftungen der Redakteure bezahlt The Express Tribune aus Islamabad – ist die erste international affiliierte Tageszeitung in Pakistan, nämlich mit «The Internationnal Herald Tribune», der globalen Edition von «The New York Times»

Daily Times aus Lahore – ist vor allem aufgrund ihrer pro-Minoritätenhaltung bekannt geworden

Pak-Tribune des Pakistan News Service bietet tägliche Zusammenstellungen einer Vielzahl von Pakistan-Nachrichten

Unter den urdusprachigen Tageszeitungen, die auch online verfügbar sind, wären z.B.: Daily Jang (affiliiert mit «The News International») und Nawa-i-Waqt zu nennen.

Weitere Informationen zu den Top-Tageszeitungen liefert Infopedia.

Unter den englischsprachigen Wochenzeitungen ist The Friday Times, eine kritische analytische Zeitung, zu nennen. Bekannte politische monatliche Magazine sind z.B. The Herald (affiliiert mit Dawn) oder Newsline.

TV-Sender

Die Zahl der 24/7 Nachrichtensender in Urdu ist rasant angestiegen. Sie unterhalten das pakistanische Publikum mit teilweise sehr guten, teilweise auch qualitativ fragwürdigen Polit- Talkshows, die manchmal mehr mit Polemik als mit Inhalt beeindrucken, um dem Druck der Quotenzählung standzuhalten. Die Inhalte der unterschiedlichen TV-Sender sind vielfältig und umfassen auch Satire-Formate und gesellschaftskritische Sendungen. Einige Mainstream-Sender mit einem Schwerpunkt auf Nachrichtensendungen:

GEO News– ist wohl der populärste TV-Nachrichtensender Express News– populärer Nachrichtensender

PTV News– ist der offizielle pakistanische Nachrichtensender

Radiosender

Das Medium Lokal- bzw. Community-Radio ist vor allen Dingen für die ländlichen Regionen sehr wichtig. Viele dieser Sender übermitteln ihre Programme in regionalen Sprachen und sind in den jeweiligen Gebieten sehr beliebt. Das Medium Radio wird auch von extremistischen Gruppen genutzt, um besonders die ländliche Bevölkerung zu erreichen. Der von «Mullah Radio» illegal eingeführte lokale Radiosender in Swat war bis zur militärischen Operation im Mai 2009 ein Beispiel dafür.

Kulturelle Phänomene Pakistans

Pakistan hat in den fast 70 Jahren seiner Existenz beachtliche Kulturleistungen hervorgebracht. Die Kultur- und Kunstzentren sind heute Lahore und Karachi. Die in der alten Welt einzigartige Universität von Taxila besteht zwar seit 2000 Jahren nicht mehr, aber Pakistan kann auf eine Reihe moderner Universitäten stolz sein, besonders die Quaid-i Azam- Universität in Islamabad und die University of the Punjab in Lahore – auch im alten Taxila ist eine junge technischen Universität entstanden. Auf einige Lehrstühle und Institute mit internationalem Ruf können auch die Universitäten von Karachi und Peshawar verweisen. Viele bedeutende pakistanische Wissenschaftler und hochqualifizierte Spezialisten arbeiten aber im Ausland, weil es Pakistan an Ressourcen mangelt und das Land nicht als attraktiver Standort gilt, um die eigenen Spitzenkräfte zu halten und den entsprechenden Nutzen aus ihnen zu ziehen.

Literatur in und aus Pakistan

Die pakistanische Literatur des 20. Jahrhunderts hat postkolonialen Charakter. Sie verarbeitet die Geschichte, Politik und Kultur während und nach dem „British Raj“. Die Teilung Indiens hat Südasien, und insbesondere Indien und Pakistan stark geprägt. Dies schlägt sich u.a. in der Literatur von  Saadat Hassan Manto (1912–1955) nieder. Er beschäftigte sich mit der indo-pakistanischen Teilungstrauer und ließ sozialkritische Stimmen in seinen Kurzgeschichten zu Wort kommen.

Seit 1947 hat sich die neue pakistanische Literatur in den offiziellen Sprachen Urdu und Englisch sowie in den Regionalsprachen Punjabi, Siraiki, Baluchi, Pashto und Sindhi (um nur einige von ihnen zu nennen) entwickelt. Pakistans offizielle Plattform für Literatur ist die Pakistan Academy of Letters. Ihr Ziel ist die Förderung von pakistanischer Literatur in den verschiedensten Sprachen und die Förderung von pakistanischen SchriftstellerInnen.

Die Urdu-Literatur ist stark mit der geschichtlichen Entwicklung dieser Sprache verschränkt. Sie findet ihren Ursprung im 14. Jahrhundert in Nordindien (Moghulzeit). Das Urdu vereint in sich das kulturelle Erbe der muslimisch-persischen Moghulherrscher und der hinduistisch dominierten Bevölkerung. Während die Urdu-Literatur von der Lyrik dominiert ist, hat sie auch viel niveauvolle Prosaliteratur hervorgebracht.

Seit ca. 1980 haben auch englischsprachige Schriftsteller/innen aus Pakistan mehr und mehr an nationaler und offizieller Anerkennungen durch die Pakistan Academy of Letters gewonnen. Der erste pakistanische englischsprachige Schriftsteller, der zu den Literaturpreisträgern gehört, ist Alamgir Hashmi. Danach wurden andere pakistanische englischsprachige SchriftstellerInnen, wie z.B. Bapsi Sidhwa, Kamila Shamsie und Nadeem Aslam von der Akademie anerkannt. Diese und andere Schriftsteller, wie z.B. Mohsin Hamid oder Muhammad Hanif, haben inzwischen Weltruhm erlangt.

Der Islam als Staatsreligion

Der Islam ist Pakistans Staatsreligion, nur ca. 5 % der Bevölkerung gehören Gruppen von Christen, Hindus, Sikhs oder Parsen an. Die Religion bestimmt große Teile des gesellschaftlichen Lebens, wirkt aber auch immer wieder stark in politische Bereiche hinein. Neben den islamischen Grundlagen und den fünf Grundpfeilern der Religion stellt sich der Islam in Pakistan äußerst vielfältig dar, wobei zwischen den orthodoxen Rechtsschulen der Sunna und Shia einerseits und einer Vielzahl von heterodoxen, volksreligiösen und mystischen Richtungen andererseits unterschieden werden muss.

Der mystische Islam, auch Volksislam genannt, hat sich zu Sufi- Orden, den tariqah organisiert und spielt neben den orthodoxen islamistischen Parteien und Gruppierungen eine wesentliche soziale und politische Rolle in Staat und Gesellschaft. Die beiden größten Sufi-Orden sind der Qadiriyah- und der Naqshbandiyah- Orden. Ein auch für Besucher deutlich sichtbarer Ausdruck von Mystik und Volksfrömmigkeit sind die Heiligenverehrung an den Tausenden von Schreinen im ganzen Land und die bunten, meist ekstatisch fröhlichen Heiligenfeste, urs (wörtlich „Hochzeit»), die einmal im Jahr an fast jedem dieser Schreine stattfinden. Auch wenn manche Frömmler und Eiferer öffentlich gegen diesen facettenreichen und unkontrollierbaren Volksislam wettern, so sehen die meisten Pakistanis zwischen Orthodoxie und Heterodoxie keinen Widerspruch, sondern verstehen beide als Aspekte einer umfassenden und vielseitigen Religion.

Der Staatsgründer Mohammad Ali Jinnah, selbst Angehöriger der muslimischen konfessionellen Minderheit der Ismaeliten, sah Pakistan nicht als einen islamischen Staat, sondern als einen Staat der Muslime und der Anhänger aller anderen Religionen, die hier friedlich und gleichberechtigt zusammenleben sollten. Jedes pakistanische Schulkind lernt diesen Grundsatz Jinnahs, der die Staatsform prägen sollte – aber die rechtliche und soziale Wirklichkeit in Pakistan ist davon noch recht weit entfernt.

Die größte muslimische konfessionelle Minderheit sind die sogenannten Zwölfer Schiiten oder Imamiten (15-20 % der Gesamtbevölkerung). Leider werden von politischen Akteuren angebliche konfessionelle Differenzen immer wieder dazu missbraucht, Hass und Gewalt zwischen unaufgeklärten Bevölkerungsgruppen zu säen. Damit beschäftigt sich auch der BBC- Artikel Pakistan’s Sunni-Shia Divide.

Eine Untergruppe der Schiiten, die Ismaeliten, auch Siebener Schiiten, oder Agha Khani genannt, leben in einigen nordpakistanischen Bergtälern, z. B. in Hunza, als arme Bergbauern, viele sind aber auch in den Großstädten als Händler oder Unternehmer zu Ansehen und Wohlstand gelangt.

Die muslimische Gemeinschaft der Ahmadis (in Pakistan oft als «Qadianis» bezeichnet), die erst im 19. Jh. entstanden ist, hat in Pakistan vielfach unter Verfolgungen und Diskriminierungen zu leiden, weil orthodoxe Populisten immer wieder gegen sie Hetzkampagnen entfachen, um in der wenig aufgeklärten Mehrheitsbevölkerung politische Pluspunkte zu gewinnen. Auf der offiziellen Ahmadiya-Webseite, die es auch in deutscher Sprache gibt, wehren sie sich u. a. gegen den Vorwurf der Apostasie (Abfall vom «einzig wahren» Glauben).

Die meisten pakistanischen Christen gehören eher zu den unterprivilegierten Gruppen der Bevölkerung; sie sind in Südasien seit frühchristlicher Zeit nachgewiesen. Die Christen betreiben einen eigenen Nachrichtendienst, die Christian Post, der Pakistan Christian Congress will für alle Christen des Landes sprechen.

Auch die pakistanischen Hindus, von denen viele in abgelegenen Teilen des Sindh leben, gehören zum wirtschaftlich benachteiligsten Segment der Bevölkerung.

Die Texte stammen von Susanne Thiel. Sie ist seit den 1990er Jahren im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit tätig. Die GIZ und der Autorin ist informiert worden, dass die Infos auf meiner touristischen Länderseite zu Pakistan veröffentlicht werden.